Die Kirche Sankt Johannes Oberweier

 

Die Kirche Oberweier

 
 
 
 
Die kleine Dorfkirche St. Johannes in Gaggenau - Oberweier sah innerhalb der letzten gut 30 Jahren mehrere Innen- und Außenarbeiten, die zur Verschönerung aber auch zur Absicherung der baulichen Substanz in Auftrag gegeben wurden.
 
Besonders versuchte man dem Innenraum wieder Ambiente und Flair zu geben, nachdem eine postkonziliare Modernisierung in 1967 einem ausnüchternden Kahlschlag gleichkam und das stilistisch-künstlerische Konzept der früheren Raumgestaltung auf das Äußerste entwertet und entstellt hatte. - Es wäre auch anders gegangen! -

Glücklicherweise hatte man damals vom Inventar nicht alles weggeschmissen, sondern in den Turmetagen und im Pfarrhaus abgestellt. Darunter Gemälde, Konsolen, Figuren, Kerzenständer, Bilderrahmen und liturgische Utensilien. Allerdings unwiederbringlich bleibt die mit Ornamenten und einer bekrönenden Pelikanfigurengruppe reich verzierte barocke Kanzel, die zuerst zerlegt, aber dann im Pfarrgarten höchstbedauerlich verbrannt wurde. Nicht mehr genau klar war, ob auch ein Deckenbild des Altarraums Opfer jenes minimalistischen Eifers wurde. Es gab 1988 - laut dem früheren Restaurator Alfred Panowsky - leider keinerlei Befund mehr.

In Abstimmung mit Pfarrer Honé, Mesnerin Yvonne Florian-Braun und Gemeindemitgliedern stellte sich Organist Huck an, im Turm und Pfarrhaus gefundene Relikte vormaliger Innenausstattungen zu renovieren und sie vorteilhaft zu installieren. Zusätzlich wurden auch neue Konsolen gefaßt, Kreuze für die Seitenaltäre angefertigt (1967 einfach abgerissen) und mit Blattmessing versehen.
Besonders stolz ist Huck auf die Wiederanbringung eines Jesus-Monogramms » J H S « in Form einer geschnitzen Kartusche mit Relief und Leisten (von Schnitzer A. Hodja auf dem Weihnachtsmarkt Karlsruhe 2019/20 extra angefertigt) und deren umgebende Tromploeil-Malerei über dem Altarbogen nach historischem Vorbild. Maler Horst Haller war es, der sich spontan bereit erklärte, dafür ein Gerüst zu stellen.

Ein Blickfang auch eine Neukonstruktion Hucks, bestehend aus einer alten umgebauten Monstranz und einer ausgebesserten Heilig-Geist-Taube aus Holz über dem Tabernakel. Spielerisch heiter fügen sich auch die farbveredelten Tiersymbole der vier Evangelisten in das nun stattliche Ensemble des Chorraums ein. Am originalen Stammplatz im Altarraum residiert wieder die renovierte Patronatsstatue des Täufers, thronend auf Plinthe, Sockel und Konsole, die mit dem feuervergoldeten Osterlammrelief der alten Monstranz versehen wurde.

Am zeitaufwändigsten allerdings war ab September 2019 das Entfernen der Ölfarbschichten über den Blattvergoldungen der beiden Tabernakelflügel, deren vergoldete Rahmenleisten und Voluten z.B. unter den Postamenten der Engel in 1967 kurzerhand übermalt wurden. Der Tabernakelaltar strahlt und glänzt wieder. Zusätzlich erfuhr er eine farbliche Abstimmung zu den darüberliegenden Elementen des Hochaltars, bei der eine unpassende graue Marmorierung mit rötlicher Farbe ergänzt wurde.

Gut gelungen auch die gestalterische Neufassung des zwischenzeitlich übertünchten Taufsteindeckels, welche seine gefundene rötliche Originalmarmorierung respektiert und sich gleichzeitig an die bläuliche Marmorierung der Seitenaltäre anschmiegt. Die Bekrönung besteht aus Elementen eines ausrangierten und umgebauten Hostienkelchs mit Kreuztaube. Das ganze Kirchenschiff durchzieht endlich wieder ein Hauch von anmutender Wärme und stilvollem Gehalt; gestützt durch schmucke Objekte aus weit früheren Ausstattungen verschiedener Bauphasen der Kirche, Überarbeiten und Verschönern vorhandener Objekte, aber auch aufgrund des Überlassens von privatem Besitz, der zusätzlich einen sinnvollen Platz fand. Für das Montieren mancher Konsole und Figur stand Harald Braun mit fachmännischem Equipment tatkräftig zur Seite. Angebracht wurden u.a. die beliebte, prachtvolle Madonna mit Jesuskind im Altarraum, sowie jene Strahlenkranz- Madonna, die zwischenzeitig für einige Jahrzehnte im Kindergarten aufgestellt war und nun auf ihrer Originalkonsole postiert, den Kirchenbesucher im Vorraum empfängt und zu Gebet und Kontemplation einlädt.

Huck versteht seine Verschönerungsinitiative als Fortführung jener Arbeiten und Ideen, welche A. Panowsky in mehreren Zeitabschnitten tätigte, jedoch durch seinen frühen Tod, aber auch aufgrund eines begrenzten Budgets nie vollenden konnte.

In 'summa summarum' ist der Kirchenraum jetzt weitgehend in den einfachen Strukturen eines bescheidenen Landbarocks wieder zu bestaunen. Überzeugung, stilistisches Empfinden, Einsatz, Arbeit der Kunsthandwerker und Stiftungen früherer Generationen sind nun nachvollziehbar und aufs Neue respektiert.

Das 1929 erworbene Inventar (Barockorgelwerk, Barocktabernakelaltar, Neobarockseitenaltäre) und die abschließende Innenraumaustattung 1936 (Ausmalung, Stuckornamente) bilden zusammen wieder eine stilistische Einheit.
 
 
 
 
 

Bildergalerie: Besonderheiten

 
 
Synopse und die Taube, das Symbol für die Heilige Geistkraft.
 
 
Die Abdeckung für den Taufstein
 
 
Renovierte Kreuzesdarstellungen mit Figuren
 
 
Symbole der vier Evangelisten: Löwe = Markus, Stier = Lukas, Engel = Mattäus, Adler = Johannes
 
 
Johannes der Täufer, der Namenspatron unserer Kirche.
 
 
 
 

Bildergalerie: Der Innenraum der Kirche Oberweier in den letzten einhundert Jahren

 
 
Die Innenansicht 1936
 
 
So sah unsere Kirche 1967 innen aus.
 
 
eher nüchtern war der Anblick ab 1988
 
 
2001 hat sich das Innere wieder etwas verändert.
 
 
Und das ist jetzt der aktuelle Stand ab 2020.